|
„Abends lese ich aus meinem Schulheft vor“
Morgens Grundpflege in der Berufsfachschule für Krankenpflege büffeln, abends daheim den jungen Nachwuchs versorgen. So sieht zurzeit der Alltag der jungen Mütter Anne-Katrin Amm (20 Jahre), Katja Gerken (22 Jahre) und Sandra Scheller (22 Jahre) aus. Die drei sind angehende Gesundheits- und Krankenpflegerinnen im 2. Ausbildungsjahr an der Berufsfachschule für Krankenpflege der Kreisklinik Bad Neustadt. Jede von ihnen hat ihr Leben so eingerichtet, dass sie die Mehrbelastung gut meistern können. Die noch einjährige Tochter Lina von Ann-Katrin Amm ist tagsüber in einer Kinderkrippe untergebracht. Außerdem unterstützen ihre Eltern die aus Meiningen stammende Auszubildende, ihr Lebensgefährte ist weiter berufstätig. Nach einem Jahr Elternzeit hat Ann-Katrin Amm ihre Ausbildung im Nachfolgekurs fortgesetzt. Mit drei Jahren richtig alt im Vergleich zu den zwei anderen Kursbabys ist Timo, der Sohn von Katja Gerken. Die Bischofsheimerin hat nach Abschluss der Mittleren Reife zwei Jahre Elternzeit genommen und dann ihre Ausbildung an der Berufsfachschule der Kreisklinik angefangen. Ihr Freund ist berufstätig, tagsüber wird Timo im Kindergarten und von den Eltern betreut. Wieder anders sieht die Situation bei Kursmutti Nr. 3, Sandra Scheller, aus. Ihr Freund hat Elternzeit genommen und versorgt die sechs Monate alte Tochter Jette, sodass sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren kann. Die Mitschüler an der Berufsfachschule nehmen regen Anteil an der Entwicklung der drei Kleinen. Sie lassen sich Fotos zeigen und fragen nach, was die Babys Neues können. Selbst vorne im Klassenbuch kleben Fotos von Lina, Jette und Timo, damit der Kurs und die Lehrer auf dem aktuellen Stand sind. Schulleiter Jürgen Leiber geht gelassen mit der Situation um. Im Laufe seiner Schullaufbahn hat er schon viele Kursbabys erlebt. „Ungewöhnlich ist nur, dass wir in einem Kurs gleich drei so junge Mütter haben“, resümiert er. Er und seine vier Kolleginnen Heidrun Lassahn-Breitenbach, Kerstin Manger, Gertraud Schneider und Andrea Stäblein unterstützen die drei jungen Mütter nach besten Kräften. Zum Beispiel haben sie den Dienstplan während der Schwangerschaft so abgestimmt, dass die werdenden Mütter auf der Wochenstation eingesetzt werden, wo die körperliche Belastung nicht so groß ist, oder in Kliniken und Einrichtungen, die nahe dem Wohnort liegen. Fragt man die drei jungen Frauen nach ihren bisherigen Erfahrungen als Mutter und Auszubildende, so sind sie sich einig: „Wir würden unseren Nachwuchs niemals missen wollen!“ Katja Gerken räumt allerdings ein: „Ausbildung und Kind auf einmal sind schon manchmal stressig. Wir müssen viel improvisieren.“ Dabei entwickeln die Drei originelle Strategien, um Lernstoff und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Sandra Scheller zum Beispiel verzichtet bei Jette auf die Gute-Nacht-Geschichte: „Abends lese ich aus meinem Schulheft vor“, schmunzelt sie. Foto: Junge Mütter in der Ausbildung: Katja Gerken, Anne-Katrin Amm und Sandra Scheller (Foto: Kreisklinik Bad Neustadt). |